Beleg
Ein Beleg ist ein von innen angesetztes Stoffteil, das Kanten wie Ausschnitte, vordere Öffnungen und Manschetten zum Abschluss und zur Verstärkung verarbeitet und ihnen zugleich Form gibt.
Inhalt6 Abschnitte
Definition und Überblick
Ein Beleg ist ein separat zugeschnittenes Stoffteil, das an der Innenseite einer Öffnung oder Kante eines Kleidungsstücks angesetzt wird. Er schließt Nahtzugaben an einer von außen schwer sichtbaren Stelle ein und versäubert die Kante sauber. Oft wird er aus demselben Stoff wie das Obermaterial zugeschnitten, je nach Vorgabe kann jedoch auch ein anderer Stoff verwendet werden.
Ein Einlagevlies ist nicht der Stoff, aus dem der Beleg selbst besteht, sondern ein Hilfsmaterial, das dem Beleg und dem umliegenden Bereich Festigkeit und Formstabilität verleiht. Beleg bezeichnet also den Abschnitt bzw. das Teil, während Einlage das zur Verstärkung verwendete Material ist.
Einsatzbereiche und Funktion
Die wichtigsten Anwendungen sind die vorderen Kanten und der Halsausschnitt von Jacken und Mänteln, die vordere Knopfleiste von Hemden und Blusen, die vordere Öffnung von Hosen sowie der Halsausschnitt und die Armausschnitte ärmelloser Kleidungsstücke. Da er nach innen umgeschlagen wird, verdeckt er Schnittkanten und Nahtzugaben und verbessert die Optik.
Da Kanten durch Tragen und Reibung zum Ausdehnen und Verziehen neigen, hilft der Beleg auch, Längenverzug und Formverlust zu verhindern. Bei Jacken und Mänteln stabilisiert er den Rollbruch der vorderen Kante und des Halsausschnitts und unterstützt außerdem die Bereiche, in denen Knöpfe und Knopflöcher platziert sind.
Materialien und Arten
Das Grundmaterial für einen Beleg ist derselbe Stoff wie das Obermaterial. Die Verwendung desselben Stoffes erleichtert die Abstimmung von Farbe, Muster und Dicke mit dem Oberstoff und sorgt für einen natürlichen Kantenabschluss. Bei dicken oder voluminösen Oberstoffen kann jedoch ein dünnerer anderer Stoff verwendet werden, um die innere Schicht zu reduzieren.
Formbezogen gibt es Vorderbelege, die durchgehend von der vorderen Kante bis zum Halsausschnitt verlaufen, Halsausschnittbelege, die nur den Halsausschnitt versäubern, sowie Armausschnittbelege für Armausschnitte. Um Ausfransen zu verhindern, wird die Außenkante eines Belegs je nach Material und Vorgabe verarbeitet, etwa durch Overlocken oder durch das Annähen an das Futter.
Wahl und Verwendung von Einlage
Belegstoff und Einlage werden nach der Kompatibilität mit dem Oberstoff ausgewählt. Für leichte Oberstoffe wird eine dünne und weiche Einlage verwendet, während bei Kleidungsstücken wie Jacken und Mänteln, die ihre Form behalten sollen, in der Regel eine Einlage mit der nötigen Festigkeit eingesetzt wird. Eine zu steife Einlage kann dazu führen, dass die Kante unnatürlich absteht, und auf der Oberfläche Durchdrücken verursachen.
Bei elastischen Oberstoffen sollte eine Strickeinlage oder elastische Einlage gewählt werden, die der Dehnung des Stoffes folgen kann. In Bereichen, in denen die Dehnung kontrolliert werden muss, etwa an der vorderen Kante und am Halsausschnitt, sind auch die Laufrichtung der Einlage und die kombinierte Verwendung von Stretch-Stayband wichtig. Vor der Serienfertigung sollten Textur und Haftverhalten mit einem Prototypen aus Oberstoff, Beleg und Einlage geprüft werden.
- Verwenden Sie als Basis denselben Stoff und ziehen Sie einen anderen Stoff in Betracht, wenn Sie Dicke oder Transparenz vermeiden möchten.
- Prüfen Sie die Steifigkeit der Einlage, damit der Beleg nicht härter wird als der Oberstoff.
- Bestätigen Sie vorab mögliche Unterschiede bei Schrumpfung, Ablösen oder Oberflächenveränderungen nach dem Waschen oder Reinigen.
Verklebung und Nähhinweise
Bei der Verwendung von aufbügelbarer Einlage sind die Haftbedingungen wie Temperatur, Zeit und Druck passend zum Oberstoff und zur Einlage einzustellen. Sind die Bedingungen unzureichend, kann sich die Einlage lösen; sind sie zu stark, können Veränderungen der Haptik, Durchschlagen oder Blasenbildung auftreten. Die Einlage kann nicht nur auf den gesamten Beleg, sondern auch nur auf die erforderlichen Bereiche aufgebracht werden.
Beim Nähen werden Oberstoff und Beleg rechts auf rechts zusammengenäht und anschließend an gewölbten Stellen durch Einschneiden in der Nahtzugabe auf die rechte Seite gewendet. Nach dem Wenden werden je nach Bedarf Kantensteppung, Untersteppung oder Blindstichsaum verwendet, damit der Beleg auf der rechten Seite nicht sichtbar wird.
Häufig gestellte Fragen
Worin liegt der Unterschied zwischen Beleg und Futter?
Ein Beleg ist ein Teilstück, das zum Versäubern von Kanten wie vorderer Öffnung und Halsausschnitt verwendet wird. Ein Futter bedeckt den Innenraum eines Kleidungsstücks großflächig und soll das Anziehen erleichtern, den Oberstoff schützen und Transparenz verringern. Ein Beleg kann mit dem Futter verbunden sein, ihre Funktionen und Positionen sind jedoch unterschiedlich.
Braucht ein Beleg immer Einlage?
Nicht unbedingt. Bei leichten, weichen Kleidungsstücken oder bei Ausführungen, die einen natürlichen Fall betonen, wird möglicherweise keine Einlage verwendet. Andererseits ist es in Bereichen, in denen die Form erhalten bleiben muss, etwa an der vorderen Kante, am Halsausschnitt und rund um Knopflöcher, üblich, je nach Eigenschaften des Oberstoffs eine Einlage zu verwenden.
Wodurch rollt ein Beleg nach außen?
Ursache kann eine unzureichende Kontrolle der Nahtzugabe auf der Belegseite, eine mangelhafte Verarbeitung gewölbter Abschnitte oder ein Unterschied in Dehnung oder Dicke zwischen Beleg und Oberstoff sein. Eine Verbesserung lässt sich leichter erreichen, indem die Nahtzugabe zur Belegseite gebügelt und eine Untersteppung ausgeführt wird; anschließend wird die Rolllinie durch Bügeln angepasst.






