Garngefärbt
Garngefärbt ist ein Färbeverfahren, bei dem das Nähgarn bereits im Garnstadium gefärbt und anschließend zum Weben oder Stricken verwendet wird, sodass Muster und Farbtiefe durch Farbkombinationen der Garne zum Ausdruck kommen.
Definition und Überblick
Garngefärbt ist ein Färbeverfahren, bei dem das Rohmaterial oder das Nähgarn zunächst gefärbt und dieses Garn anschließend für gewebte Stoffe oder Strickwaren verwendet wird. Durch die Kombination der Farben von Kettfäden, Schussfäden oder Strickgarn entstehen Muster und Farbtöne. Es wird nicht nur für Stoffe ohne Muster, sondern auch für Karos, Streifen und melierte Optiken verwendet.
Da das Nähgarn gefärbt wird, bevor es zum Textil wird, entstehen Ausdruck und Wirkung durch die Gewebestruktur oder Strickstruktur, die Garnstärke, die Drehung sowie durch Unterschiede in Material und Farbe. Garngefärbt bezeichnet den Färbeprozess, nicht einen Materialnamen oder einen Namen für eine Stoffstruktur.
Merkmale
Durch das Kreuzen von Garnen unterschiedlicher Farben lässt sich leicht eine Tiefe erzeugen, die Farben gemischt und feine Farbverläufe erscheinen lässt. Da die Farbe nicht nur auf die Oberfläche aufgebracht wird, sondern das Garn selbst gefärbt ist, ist auch die Struktur von Gewebe oder Strick leichter erkennbar.
Bei Karos und Streifen entsteht das Muster durch die Gewebe- oder Strickstruktur. Da sich die Vorder- und Rückseite im Erscheinungsbild unterscheiden können oder das Muster entlang des Fadenlaufs erscheinen kann, ist es wichtig, die Vorder- und Rückseite des Textils sowie die Zuschnittsrichtung bei der Gestaltung zu prüfen.
Hauptanwendungen
Für Hemden und Blusen werden garngefärbte Streifen, Gingham und Karos verwendet. Bei Hosen, Röcken, Kleidern, Jacken und Mänteln werden Textilien eingesetzt, die Farbkombinationen der Garne nutzen, wie Karomuster, Fischgrat und tweedähnliche Optiken.
Für Futterstoffe können garngefärbte Muster wie Streifen verwendet werden. Auch garngefärbter Chambray und Denim nutzen den Ausdruck, der durch den Farbunterschied zwischen Kett- und Schussfäden entsteht, und werden breit von Freizeitkleidung bis hin zu Accessoires verwendet.
Hinweise zu Auswahl und Verarbeitung
Prüfen Sie Material, Struktur, Mustergröße und Farbwahrnehmung je nach Verwendungszweck. Auch bei demselben garngefärbten Artikel unterscheiden sich Dicke, Haptik und Haltbarkeit je nach Material wie Baumwolle, Wolle oder Polyester sowie je nach Struktur wie Leinwandbindung oder Köperbindung. Prüfen Sie vor der Produktion, wie das Muster unter Berücksichtigung der Zuschnittsrichtung wirkt.
Der Grad von Farbübertragung und Ausbleichen durch Waschen und Reibung variiert je nach Faserart, Farbstoff sowie Kombinationen aus dunklen und hellen Farben. Bei Textilien mit dunklen und hellen Farbkombinationen oder mehreren Farben sollten Sie die Farbechtheit prüfen und beim ersten Waschen eine getrennte Wäsche in Betracht ziehen. Ob vor dem Nähen ein Vorwaschen notwendig ist, sollte ebenfalls anhand der Schrumpfrate des jeweiligen Materials beurteilt werden.
- Bei Karos und Streifen sollten Sie den Rapport an linken und rechten Vorderteilen, Taschen, Kragen und anderen Teilen berücksichtigen.
- Wenn das Muster eine Richtung hat, prüfen Sie die benötigte Stofflänge und die Zuschnittsrichtung im Voraus.
- Da Farbe und Musterwirkung je nach Produktionscharge leicht abweichen können, ist bei Nachproduktionen auf eine sorgfältige Chargenkontrolle zu achten.
Unterschiede zu ähnlichen Begriffen
Stückgefärbt ist ein Verfahren, bei dem Stoff nach dem Weben oder Stricken gefärbt wird. Während Garngefärbt sich für Muster durch Farbkombinationen der Garne eignet, eignet sich Stückgefärbt für Anwendungen wie das Färben des Stoffes in einheitliche, musterlose Flächen. Allerdings können sowohl garngefärbte als auch stückgefärbte Textilien für Stoffe ohne Muster oder mit Muster verwendet werden.
Print ist ein Veredelungsverfahren, bei dem Muster mit Farbstoff oder Pigment auf die Oberfläche des Textils aufgebracht werden. Das Muster bei Garngefärbt entsteht durch die Farbe des Garns, während das Muster bei Print nachträglich auf dem Stoff dargestellt wird. Chambray ist eine Optik, die häufig bei garngefärbten Textilien mit unterschiedlichen Farben von Kett- und Schussfäden zu sehen ist.
Häufig gestellte Fragen
Ist garngefärbtes Textil farbechter?
Allein die Tatsache, dass ein Textil garngefärbt ist, entscheidet nicht darüber, ob es gegen Ausbleichen oder Farbübertragung beständig ist. Die Farbechtheit variiert je nach Faserart, Farbstoff, Färbebedingungen, Farbtiefe und Veredelung. Besonders bei Produkten, die dunkle und helle Farben kombinieren, ist es wichtig, die Farbechtheit gegenüber Waschen, Reibung und Schweiß zu prüfen.
Wie kann man Garngefärbt und Print unterscheiden?
Garngefärbt besteht aus gefärbtem Garn, daher erscheint das Muster entlang der Gewebe- oder Strickstruktur. Print bringt das Muster anschließend auf den Stoff auf, weshalb die Rückseite oft nicht das gleiche Muster wie die Vorderseite hat. Je nach Verarbeitung und Struktur kann es jedoch schwierig sein, beide zu unterscheiden.
Was ist beim Nähen von garngefärbtem Karostoff zu beachten?
Achten Sie auf den Musterabgleich, damit die Karolinien an Körper, vorderer Öffnung, Kragen, Taschen und anderen Teilen durchlaufen. Je nach Größe und Richtung des Musters kann der benötigte Stoffverbrauch steigen. Prüfen Sie vor dem Zuschneiden den Fadenlauf und den Musterverlauf, und es ist wichtig, auch die Optik auf der linken und rechten Seite anzugleichen.






